Vom Totalausfall zur Unternehmensgruppe
Denis M. Klug war nie etwas anderes als Unternehmer. An seinem 18. Geburtstag meldete er sein erstes Gewerbe an – frisch aus der Schule. Was danach kam, sind über zwei Jahrzehnte, in denen er beide Enden des Unternehmertums kennengelernt hat: ganz oben und ganz unten.
Seine erste Firma baute er im IT-Bereich auf – Rollouts, Server-Migrationen, große Infrastruktur-Projekte für die HypoVereinsbank, die AOK Hessen und das Systemhaus ADA. In der Spitze beschäftigte er 43 festangestellte Mitarbeiter. Das Geschäft lief jahrelang hervorragend – bis ein Großkunde, bei dem allein 23 seiner Leute im Einsatz waren, die Rechnungen nicht mehr zahlte. „Kontoumstellung, das Geld kommt", hieß es. Klug zahlte seine Mitarbeiter trotzdem weiter, Monat für Monat, samt Lohnnebenkosten. Das Geld kam nie.
Als Einzelunternehmer ohne den Schutz einer GmbH riss ihn das in die Tiefe. Der Kunde meldete Insolvenz an, bei Klug folgte die Privatinsolvenz. Aus einem florierenden Unternehmen wurde binnen Wochen der freie Fall – bis hinunter zu Hartz IV. Ausgerechnet in dem Jahr, in dem sein Sohn zur Welt kam. „Eine Zeit lang habe ich von Toast und Ketchup gelebt", sagt er heute offen. Fast ein Dreivierteljahr dauerte es, bis er sich aus diesem Loch herausgekämpft hatte.
Der Wiederaufstieg begann mit einem Kumpel und ein paar Fun-Shirts auf eBay. 2014 wechselte Klug zu Amazon und baute daraus die vanVerden Unlimited GmbH. 2018 brannte die damalige Produktion – 450 m² über zwei Etagen – vollständig aus. Statt aufzugeben, stand mit seinem Team binnen einer Woche eine Notproduktion, parallel zur Schadensabwicklung mit den Versicherungen. Danach zog die Marke in eine eigene 1.400 m² große Lagerhalle. Dann kam Corona – und das Geschäft explodierte: bis zu 17 Mitarbeiter, an Spitzentagen 1.600 Bestellungen am Tag.
„Ich weiß, wie sich der Boden anfühlt. Und ich weiß, wie man zurückkommt."
Doch Klug kennt nicht nur den Aufbau, sondern auch das, worüber kaum jemand spricht: das geordnete Zurückbauen. Nach Corona traf der Branchenabschwung auch ihn. 2023 verkaufte er die vanVerden Unlimited GmbH, gab die etablierte Tassenmarke an einen Mitbewerber ab und trennte sich von einem defizitären Logistikbereich.
Dazu gehörten Entlassungen – und Gespräche, die zu den schwersten seines Unternehmerlebens zählen. Manche der damaligen Mitarbeiter nehmen ihm diese Entscheidungen bis heute übel. Klug versteht das: Für den Einzelnen geht es um den Job, um die Existenz. Doch als Unternehmer trägt er die Verantwortung für das Ganze – und manchmal heißt das, einen Bereich aufzugeben, damit der Rest überlebt. Er scheut diese Entscheidungen nicht. Er trifft sie.
„Solche Gespräche tun weh, und sie bleiben. Aber wer ein Unternehmen retten will, muss auch das aushalten – und verantworten."
Aus genau dieser Erfahrung entstand 2023 die eMarkets Consulting GmbH. Parallel führte Klug seine Textilmarke unter der neuen North Legendary GmbH aus der Krise zurück – gegen den Trend einer ganzen Branche. Und er übernahm die LUNEXUS Devotionalien Compagnie: eine Marke für christliche Geschenkartikel, deren Inhaber aus gesundheitlichen Gründen aufhören musste und keinen Nachfolger hatte. Klug führte das Lebenswerk weiter – und machte LUNEXUS innerhalb eines Jahres zum Amazon-Marktführer für Devotionalien.
In Deutschland gilt Scheitern noch immer als Makel. Klug sieht das anders. Er spricht offen über die Insolvenz, über Hartz IV, über den Brand und über jede schwere Entscheidung – weil genau das ihn zu dem macht, was seine Kunden brauchen: jemand, der die Zahlen liest wie ein Profi und die Lage versteht wie einer, der selbst dort war. Er erkennt schnell, wo ein Online-Geschäft kippt – und was sich noch retten lässt.
Was ihn von klassischen Beratern unterscheidet: Klug redet nicht um den heißen Brei und schmiert niemandem Honig ums Maul. Wer mit ihm arbeitet, muss aushalten, dass er auch Unangenehmes klar ausspricht. Verbrennt ein Geschäftsbereich Geld – und sei es das Lieblingsprojekt, in das jahrelang Herzblut, Zeit und Kapital geflossen sind –, sagt er es knallhart. Denn er hat selbst gelernt: Was nicht rentabel ist, muss weg, so schwer es auch fällt.
„Ich urteile nicht über Sie. Aber Ihre Zahlen beschönige ich auch nicht."